| Pfarrkirche St. Peter und Paul
Schon sehr früh, etwa im 13. Jh., dürfte
bereits eine Kapelle zu Erdberg bestanden haben. Im Jahr 1333 hören
wir von der Stiftung eines Weingartens "bei St. Paul im tiefen Graben",
die Stephan der Chrigler zwecks Abhaltung eines Jahrtages macht. Aus der
zweiten Hälfte des 14. Jh.s erfahren wir erstmals den Namen eines
Pfarrers zu St. Paul "in Erdpurch"; so wird ein gewisser Ortolf
1387 genannt. In späterer Zeit werden die Angaben immer ausführlicher.
Diese bereits im 14. Jh. anzutreffenden Nennungen von Pfarrern dürften
so zu erklären sein, daß es sich hiebei wohl um eine Art Vorläufer
der späteren Pfarre Erdberg gehandelt hat. Wie im Kapitel über
Erdberg schon erwähnt wurde, residierten bereits die Babenberger
in dieser Gegend. Man wird daher in der Nennung von "Pfarrern zu
Erdberg" am ehesten die Existenz einer eigenen hier bestandenen Herrschaftspfarre
ableiten können, die in späterer Zeit zu existieren aufhörte;
erst nach der langen Phase der Einpfarrung zu Simmering kam es dann schließlich
im 18. Jh. zu einer Pfarrgründung im modernen Sinne.
Eine Quelle des 16. Jh.s gibt den Besitz der Pfarre wie folgt an: "10
Viertel Äcker in St. Pauls Grund, ein Baumgarten zu Penzing, zwei
behauste Güter zu Erdtpurg, ein Garten hinter St. Niclas Kloster
und 10 Viertel Weingärten in St. Pauls Grund." 1529 wurde die
bis dahin existierende Kirche zerstört. Erdberg selbst blieb bis
1642 nach Simmering eingepfarrt. Nach der Zerstörung durch die Türken
kam es im 17. Jh. zu einem Wiederaufbau. Ein Glockenturm sowie ein umliegender
Friedhof waren ab der Mitte des 17. Jh.s in Funktion. Bei der Zweiten
Türkenbelagerung im Jahr 1683 wurde die Kirche neuerlich zerstört
und blieb lange Zeit in Schutt und Asche liegen. Erst 1700 nahm man den
Wiederaufbau des Gotteshauses in Angriff, die Kirche entstand in ihrer
heutigen Gestalt. 1726 wurde die Kirche den Aposteln Petrus und Paulus
geweiht. Etwas später erst errichtete man die Frontmauer samt den
Figuren der beiden Apostel sowie die Kanzel. Diverse Erweiterungsarbeiten
dauerten noch bis 1771, bis die Kirche in ihrer jetzigen Gestalt fertig
war, von 1783 an war sie dann Pfarrkirche im heutigen Sinn. Der Friedhof
vor der Kirche wurde zu dieser Zeit aufgelassen (heute nimmt seinen Raum
der Platz vor der Kirche ein), und die Toten wurden ab diesem Jahr im
St. Marxer Friedhof beigesetzt. Wohl kam es auch noch in der Folgezeit
zu Änderungen, so etwa wurde ein neuer Altar zu Anfang des 19. Jh.s
geschaffen sowie 1850/51 die Kapelle zur hl. Maria Magdalena, im wesentlichen
hatte das Gotteshaus jedoch seine Gestalt bereits erhalten. Das tempelartige
Äußere der Kirche wirkt nüchtern und bescheiden. Zu beiden
Seiten des Eingangs finden wir Sandsteinfiguren der Apostelfürsten.
Das einschiffige Innere zeigt an Stelle des Querschiffes Ausbuchtungen
der Langhauswand, über den Seitengängen erheben sich Emporen,
das Presbyterium schließt im Halbrund. Hervorzuheben ist auch noch
das Bild "Maria Immaculata" von einem unbekannten Meister; es
befindet sich im linken Seitengang der Kirche. Das Hochaltarbild stellt
den Abschied der Apostel Petrus und Paulus vor dem Martyrium dar und stammt
von Georg Schilling, der es 1810 schuf. Neben dem Pfarrhof befindet sich
eine Statue des hl. Johannes von Nepomuk. Außerdem ist bis heute
in der Pfarre das Mutterhaus der "Schulschwestern vom 3. Orden des
hl. Franciscus Seranhicus" untergebracht.
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